Sonntag, 30. August 2015

Ein Samstagmorgen im Januar (von Anja 24.01.2015)


Es ist noch nicht ganz hell, und es wartet auf den Schnee, der im Laufe des Vormittags kommen soll. Zuvor müssen wir noch losfahren und eine neue Autobatterie kaufen, weil die Batterie im Lada wohl am Ende ihrer Zeit angekommen ist. Das war gestern, da wollte ich nachmittags Anna vom Nachhilfeunterricht abholen und Peter stand am Zaun gegenüber und Nachbarin Christel erzählte, dass Nachbarin Oster nun tot sei. Ich stieg in den Lada, drehte den Zündschlüssel und es machte klackklackklack und die Batterie war leer. Ich holte Anna dann nicht mit dem Lada ab.
Jetzt ist der Morgen danach, ich hatte Anna mit dem Volvo abgeholt, war in der Stadtbibliothek gewesen, hatte ein Buch für sie ausgeliehen, das sie dringend lesen wollte und hatte zuvor bei der Buchhändlerin Bies ein Buch abgeholt, drei Bücher abgeholt, eins für mich, zwei für Veronika.
Das Buch für mich habe ich gerade fertig gelesen, am Küchentisch. Der Ofen brummt, ein Ton aus Wasserkesselrauschen und Holzknacken und Blech, das sich dehnt und knarzt. Und draußen bleibt es dunkel, weil die Nacht vorbei ist und der Tag sich für den Schnee rüstet mit trübem Licht und dichten Wolken.
Peter brummt auch, er liegt auf dem Sofa und schläft noch das Stück bis zum Batteriekaufen.
Anna kam gerade getappt, schaut ums Eck zum Küchentisch, streicht die Haare zurück und fragt, wo denn das Buch von gestern sei, im Rucksack ist es, Danke, verschwindet wieder im Hochbett, jetzt mit genug Leseseiten für einen ganzen verschneiten Tag und die halbe Nacht dazu.
Die Pferde müssen noch versorgt werden mit Heu im Stall. Vielleicht stehen sie morgen früh wieder so schön im Schneeglitzer wie vor ein paar Wochen einmal.
Merry Chrismas Kerze
Eine Kerze auf dem Tisch, die haben Nachbarin Britta mit Söhnchen Falk vor zwei Jahren als Christkindchen gebracht, seitdem lag sie in der Bestecklade. Weil sie nun einmal dort gelandet war, und weil in Goldfarbe „Merry Christmas“ aufgedruckt war, blieb sie dort bis Weihnachten, und an Weihnachten denkt natürlich keiner an eine schmale Kerze mit Goldaufdruck. In diesem Jahr gab es wieder eine Kerze, diesmal in allen Regenbogenfarben. Ich habe vor ein paar Tagen den goldfarbenen Kerzenhalter vom oberen Regalbrett geholt und die bunte Kerze zum Abendessen angezündet. Wir haben dann nicht mehr daran gedacht, und dann war es Morgen und die Kerze heruntergebrannt. So kam es dazu, dass nun die goldbedruckte Kerze am Küchentisch „Merry Christmas“ wünscht, während es draußen ein klein weniger dunkel aussieht. Vielleicht liegt das am Weihnachtsbaum. Er steht noch, aber ohne Schmuck. Statt ihn mit viel Rumpeln und Nadelverstreuen hinauszuzerren, haben wir eine Astschere daneben gestellt und verfüttern ihn zweigweise an den Küchenofen. So frisst nun der Januar den Weihnachtsbaum auf, und es prasselt im Ofen, wenn die Äste ins Feuer kommen. Mit jedem Ast wird es auch ein wenig heller.
Die Wettervorhersage beschert uns einen freien Tag, denn es ist Samstag, und wir würden uns nun rüsten für Annas Reitstunde in Ralingen. Anna würde frühstücken, ihre Reitsachen zusammensuchen, zur Weide fahren, um abzuäppeln. Peter würde frühstücken, zur Weide fahren, um den Pferdehänger ans Auto Bub zu hängen. Ich würde frühstücken, das Geschirr aufräumen, Wäsche in die Waschmaschine sortieren, Zeitung lesen vielleicht, vielleicht auch zur Weide gehen oder fahren. Gefrühstückt hätten wir zusammen, jeder schon mit seinem Ablauf im Kopf, und es würde hie und da rumpeln, wenn die drei Abläufe sich in die Quere kommen. Aber heute hat uns die Wettervorhersage frei gegeben, bei solchem Wetter zieht man keine Pferde durch die Gegend, bei solchem Wetter bleiben Mädchen oder Buben hübsch daheim in ihren Stuben. Oder wenn sie sie verlassen, dann um Holz zu holen, Pferde zu füttern oder schnell noch eine Autobatterie zu kaufen.
Es soll nämlich Schnee kommen.

Der Schnee ist da....


Gerade kommt Anna ums Eck und fragt „Soll ich ein paar Pfannenkuchen machen? Papa hat gestern nämlich Teig gemacht.“ und Peter fragt vom Sofa „Machst mir einen mit?“, und dann fragt Anna, ob heute denn kein Reiten ist, gell?, und Peter fragt, ob es denn schon schneit und Anna sagt, dass sie heute noch keinen Schnee gesehen hat und ich sage, dass kein Reiten ist und dass es noch nicht schneit und Peter sagt, dass Anna doch einfach mal eine Frage mit Ja oder mit Nein beantworten soll, und gleich gibt es Frühstück. Mit Pfannenkuchen.