Es ist noch nicht ganz hell, und es
wartet auf den Schnee, der im Laufe des Vormittags kommen soll. Zuvor
müssen wir noch losfahren und eine neue Autobatterie kaufen, weil
die Batterie im Lada wohl am Ende ihrer Zeit angekommen ist. Das war
gestern, da wollte ich nachmittags Anna vom Nachhilfeunterricht
abholen und Peter stand am Zaun gegenüber und Nachbarin Christel
erzählte, dass Nachbarin Oster nun tot sei. Ich stieg in den Lada,
drehte den Zündschlüssel und es machte klackklackklack und die
Batterie war leer. Ich holte Anna dann nicht mit dem Lada ab.
Jetzt ist der Morgen danach, ich hatte
Anna mit dem Volvo abgeholt, war in der Stadtbibliothek gewesen,
hatte ein Buch für sie ausgeliehen, das sie dringend lesen wollte
und hatte zuvor bei der Buchhändlerin Bies ein Buch abgeholt, drei
Bücher abgeholt, eins für mich, zwei für Veronika.
Das Buch für mich habe ich gerade
fertig gelesen, am Küchentisch. Der Ofen brummt, ein Ton aus
Wasserkesselrauschen und Holzknacken und Blech, das sich dehnt und
knarzt. Und draußen bleibt es dunkel, weil die Nacht vorbei ist und
der Tag sich für den Schnee rüstet mit trübem Licht und dichten
Wolken.
Peter brummt auch, er liegt auf dem
Sofa und schläft noch das Stück bis zum Batteriekaufen.
Anna kam gerade getappt, schaut ums Eck
zum Küchentisch, streicht die Haare zurück und fragt, wo denn das
Buch von gestern sei, im Rucksack ist es, Danke, verschwindet wieder
im Hochbett, jetzt mit genug Leseseiten für einen ganzen
verschneiten Tag und die halbe Nacht dazu.
Die Pferde müssen noch versorgt werden
mit Heu im Stall. Vielleicht stehen sie morgen früh wieder so schön
im Schneeglitzer wie vor ein paar Wochen einmal.
| Merry Chrismas Kerze |
Eine Kerze auf dem Tisch, die haben
Nachbarin Britta mit Söhnchen Falk vor zwei Jahren als
Christkindchen gebracht, seitdem lag sie in der Bestecklade. Weil sie
nun einmal dort gelandet war, und weil in Goldfarbe „Merry
Christmas“ aufgedruckt war, blieb sie dort bis Weihnachten, und an
Weihnachten denkt natürlich keiner an eine schmale Kerze mit
Goldaufdruck. In diesem Jahr gab es wieder eine Kerze, diesmal in
allen Regenbogenfarben. Ich habe vor ein paar Tagen den goldfarbenen
Kerzenhalter vom oberen Regalbrett geholt und die bunte Kerze zum
Abendessen angezündet. Wir haben dann nicht mehr daran gedacht, und
dann war es Morgen und die Kerze heruntergebrannt. So kam es dazu,
dass nun die goldbedruckte Kerze am Küchentisch „Merry Christmas“
wünscht, während es draußen ein klein weniger dunkel aussieht.
Vielleicht liegt das am Weihnachtsbaum. Er steht noch, aber ohne
Schmuck. Statt ihn mit viel Rumpeln und Nadelverstreuen
hinauszuzerren, haben wir eine Astschere daneben gestellt und
verfüttern ihn zweigweise an den Küchenofen. So frisst nun der
Januar den Weihnachtsbaum auf, und es prasselt im Ofen, wenn die Äste
ins Feuer kommen. Mit jedem Ast wird es auch ein wenig heller.
Die Wettervorhersage beschert uns einen
freien Tag, denn es ist Samstag, und wir würden uns nun rüsten für
Annas Reitstunde in Ralingen. Anna würde frühstücken, ihre
Reitsachen zusammensuchen, zur Weide fahren, um abzuäppeln. Peter
würde frühstücken, zur Weide fahren, um den Pferdehänger ans Auto
Bub zu hängen. Ich würde frühstücken, das Geschirr aufräumen,
Wäsche in die Waschmaschine sortieren, Zeitung lesen vielleicht,
vielleicht auch zur Weide gehen oder fahren. Gefrühstückt hätten
wir zusammen, jeder schon mit seinem Ablauf im Kopf, und es würde
hie und da rumpeln, wenn die drei Abläufe sich in die Quere kommen.
Aber heute hat uns die Wettervorhersage frei gegeben, bei solchem
Wetter zieht man keine Pferde durch die Gegend, bei solchem Wetter
bleiben Mädchen oder Buben hübsch daheim in ihren Stuben. Oder wenn
sie sie verlassen, dann um Holz zu holen, Pferde zu füttern oder
schnell noch eine Autobatterie zu kaufen.
Es soll nämlich Schnee kommen.
Gerade kommt Anna ums Eck und fragt
„Soll ich ein paar Pfannenkuchen machen? Papa hat gestern nämlich
Teig gemacht.“ und Peter fragt vom Sofa „Machst mir einen mit?“,
und dann fragt Anna, ob heute denn kein Reiten ist, gell?, und Peter
fragt, ob es denn schon schneit und Anna sagt, dass sie heute noch
keinen Schnee gesehen hat und ich sage, dass kein Reiten ist und dass
es noch nicht schneit und Peter sagt, dass Anna doch einfach mal eine
Frage mit Ja oder mit Nein beantworten soll, und gleich gibt es
Frühstück. Mit Pfannenkuchen.